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So glücklich

Eine Collage inspiriert von Heinrich v. Kleists “Das Käthchen von Heilbronn”, Theaterclub am Oldenburgischen Staatstheater, 2011

Manche Träume scheinen so echt, dass wir uns nach dem Aufwachen kneifen müssen. Kleists Käthchen folgt ihrem Traum bedingungslos, macht sich damit unmöglich, verliert jede Achtung vor sich selbst, wird bedroht und
am Ende doch für ihre Ausdauer belohnt. Sie setzt alles aufs Spiel auf der Jagd nach einem glücklichen Ende. Wie weit würden wir gehen um unsere Träume zu verwirklichen?

Wer ist eigentlich „Käthchen“?
1808 schreibt Heinrich v. Kleists sein großes Ritterschauspiel „Das Käthchen von Heilbronn“. Warum geht es? Die fünfzehnjährige Katharina träumt von einem Ritter, der zu ihr des Nachts, begleitet von einem Engel, ins Zimmer schwebt und den sie später heiraten wird. Der Traum kommt ihr so real vor, dass sie sich ein halbes Jahr später, als genau dieser Ritter leibhaftig, aber eher zufällig an ihrem Elternhaus vorbeikommt aus dem Fenster stürzt und beide Beine bricht. Nachdem ihre Knochen geheilt sind, packte sie ihre Sachen und folgte dem Grafen vom Strahl nach. Während er durch die Wälder reitet und Schlachten kämpft, läuft sie zu Fuß hinterher und schläft nachts in seinen Ställen bei den Pferden, um immer in seiner Nähe sein zu können. Vor Gericht verklagt der Vater des Mädchens den Grafen der Hexerei. Doch er weist alle Schuld von sich und kann klarstellen, dass er das Mädchen weder angefasst noch ihm irgendwelche Hoffnungen gemacht hat. Jedes Mal, wenn er sie fort schickte, kommt sie wieder zu ihm zurück. Tatsächlich findet der Graf das Mädchen sehr reizend, aber da sie nicht von adeligem Stand, muss er sie aus seinen Gedanken verdrängen.
Das Käthchen ist dabei nicht nur eine jugendliche Schwärmerin, sondern ziemlich taff: Als die Burg des Grafen angegriffen wird, warnt sie die Ritter und wagt sich als einzige in die brennende Burg. Sie benimmt sich in allem viel entschiedener, als der Graf, der eher unsicher ist, was eigentlich zu tun. Nun kommt eine weitere Figur ins Spiel: die schöne Kunigunde von Thurneck. Aufgrund einer Weissagung will der Graf sie zur Frau nehmen. Kunigunde ist allerdings nur auf ihren Vorteil bedacht und will durch eine Heirat mit dem Grafen ihren Machtbereich ausweiten. Sie ist das Gegenstück zu Käthchen, alles an ihr ist falsch: nicht nur ihre Liebe zum Grafen, sondern auch ihre Schönheit. Tatsächlich eine hässliche Frau, die durch allerlei Tricks eine Scheinfassade aufrecht erhält. Kunigunde sieht im Käthchen eine Gefahr für ihre Pläne und versucht gleich zwei Mal, sie umzubringen. Es misslingt, weil ein Engel zu Hilfe kommt bzw. der Graf im letzten Moment vom Komplott erfährt. Am Ende löst sich bei Kleist alles in Wohlgefallen auf: Kunigunde wird verstoßen und Graf und Käthchen heiraten.

Die Hoffnung, dass die Suche sich lohnen könnte
Für unsere Arbeit an „So glücklich“ waren drei Ausgangspunkte wichtig: Kleists „Käthchen“, das Thema Glück und Musik als Gestaltungselement. Kleists Märchendrama diente uns als Anregung, aber wir wollten das „Käthchen“ nicht inszenieren, bearbeiten, in unsere heutige Zeit holen oder kritisch analysieren. Vielmehr haben wir einzelne Elemente genommen und in neue Kontexte gesteckt. Inspiriert hat uns die Frage, was muss das für ein Traum gewesen sein muss, für den man alles verlässt, sich an die Fersen eines Menschen heftet und komplett wahnsinnige Dinge tut? Bestimmte Figurenkonstellationen tauchen in unserer Aufführung wieder auf, wie die falsche Kunigunde gegen das unschuldige Käthchen. Jede der jungen Frauen verstärkt einen Aspekt der Käthchen-Figur (die Liebliche, die Unschuldige, die Abhängige, die Entschlossene), während die jungen Männer alle mit dem gleichen Problem kämpfen: der Unsicherheit über ihre eigene Position in einer Welt mit veränderten Rollenbildern. Bestimmte Elemente werden bei Kleist und in unserer Aufführung bedeutsam: ein Brief, eine Mutprobe, eine Schlafwandlerin.

Das zweite Thema ist die Suche nach dem großen Glück. Das beginnt bei der einfachen Frage, was ist überhaupt Glück und wie kann es uns gelingen glücklich zu werden, zu sein und zu bleiben? Es fällt den jungen Menschen heute nicht leicht, wie man angesichts von Facebook und Twitter denken könnte, ihre innersten Wünsche zu äußern, über die Lippen zu kriegen, was sie wirklich bewegt, wovon sie träumen. Auf der Suche nach Glücksmomenten tun sie sich zusammen, doch letztlich bleibt es für die meisten eine einsame Suche. Da gibt es Zuversicht, aber auch Rückschläge. Wer seinen Traum leben will, der riskiert zu scheitern und sich der Lächerlichkeit Preis zu geben. Doch es bleibt die Hoffnung, dass da irgendwo etwas ist, für den oder das sich die Suche lohnen könnte.

Jede Lebensphase hat ihre Musik. Das heißt, Musik kann erzählen. Musik erzählt von Gefühlen und Musik kann Gefühle hervorrufen. In der Aufführung arbeiten wir mit Musik, die noch anders als Bilder und Texte in der Lage ist, Bewegung in eine Szene zu bringen. Denn Musik erzählt nicht nur vom Glück, Musik kann auch glücklich machen, sie dringt uns ein und bewegt uns. Mit Instrumenten, Gesang, Geräuschen, Beats und Sprachklang als Musik wollen wir nicht nur die Zuschauer mitnehmen in die Märchen- und Traumwelten von Käthchen.

von und mit:
Paris Deuter, Kim Laura von Harthen, Johannes Koch, Lara König, Josephine Mellor, Helene Ooster, Nikola Pantic, Neele Tyrasa, Antonia Wichert, Niclas Willms

secial guest: Lukas Schneeweiss

Leitung: Roland Bedrich und Annika Printz

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